Politische Theorie

 

Imperialismus, Nation und Klassenkampf

 

Klaus Berger, aus: „Aufbruch“ 4/1982

 

NationalrevolutionĂ€re - „rote Nazis“, „verkappte Bolschewiken“, „NPD plus Maschinengewehr“, „Stalinisten von rechts“, „Konservative von links“? Der politische Gegner ist verwirrt, seit sich, langsam noch, aber Schritt vor Schritt voranschreitend, die neue nationalrevolutionĂ€re Bewegung in Deutschland bemerkbar macht. Ideologische Schubladen und Schablonen stimmen nicht mehr, alte Tabus der traditionellen politischen Lager geraten ins Wackeln, konfrontiert man sie mit nationalrevolutionĂ€ren Aussagen. Da sind Nationalisten, die aus ihrer nationalistischen RadikalitĂ€t keinen Hehl machen, die aber zugleich den Klassenkampf gegen die Kapitalisten zu einem ihrer obersten Prinzipien erhoben haben. Wie ist das möglich, wie kann ein Nationalist fĂŒr den Klassenkampf, ein revolutionĂ€rer, klassenkĂ€mpferischer Sozialist fĂŒr die Nation eintreten? „Sie sind vom Osten gesteuert!“, ruft die so genannte „Nationale Rechte“, fĂŒr die der Schutz des Privateigentums an Produktionsmitteln insgeheim immer vor der Freiheit der Nation rangierte und fĂŒr die der Klassenkampf immer ein Mittel feindlicher MĂ€chte war, die eingebildete Einheit des Volkes zu zerstören. „Sie sind Nazis in neuem Gewand!“, rufen die marxistische wie die liberale Linke, fĂŒr die Volk und Nation bestenfalls taktischen Stellenwert haben und deren Traumziel die nivellierte „One World“ ohne ethnische und kulturelle Differenzierungen, ohne unabhĂ€ngige Nation ist. Neue Probleme erfordern neue Fragestellungen, neue Fragestellungen erfordern neue Antworten. Die Fronten des 19. Jahrhunderts (die allerdings bei nĂ€herem Hinsehen auch anders waren, als die Schulhistoriker glauben machen wollen) sind nicht mehr die Fronten von heute. Die Welt der letzten zwanzig Jahre des 20. Jahrhunderts ist an einem Punkt angelangt, an dem diese neuen Fronten immer klarer zutage treten. Klassen, Ideologien, gesellschaftliche KrĂ€fte, all dies befindet sich im Umbruch.

Der neue Imperialismus

Wenn wir heute von der Nation sprechen, um ihre Befreiung ringen und den Nationalismus als progressive, emanzipatorische Kraft ansehen, so ist unser Gegner ein völlig anderer als der, dem die Nationalisten des 19. Jahrhunderts entgegen traten. Es geht heute nicht mehr um die Emanzipation des Handels- und IndustriebĂŒrgertums von den Fesseln feudaler BeschrĂ€nkungen, es geht noch nicht einmal mehr um die Befreiung der einen oder anderen „kleinen“ Nation von der Herrschaft einer „großen“ Nation. Selbst der Begriff des Imperialismus als des GegenstĂŒcks zur nationalen Befreiung lĂ€sst sich heute nicht mehr allein an einzelnen Staaten festmachen.

Es gibt sicherlich einen US-Imperialismus und einen russischen Imperialismus, es gibt den imperialistischen Neokolonialismus Englands und Frankreichs, es gibt imperialistische Momente auch in der westdeutschen Politik. Doch all diese PhĂ€nomene, gegen die die APO der sechziger Jahre noch Sturm lief, treten heute immer klarer als das hervor, was sie in Wirklichkeit - ungeachtet aller partieller einzelstaatlicher Konkurrenz - sind: unterschiedliche Aspekte oder Facetten ein und desselben multinationalen, bis in die letzten Winkel der Erde vorstoßenden Konzernimperialismus!

Der Kapitalismus des 19. Jahrhunderts war der Großvater dieses Konzernimperialismus. Er begann als Konkurrenzkapitalismus einzelner Unternehmer, Familienvermögen wurden investiert, vermehrt, durch Bankkredite gestĂŒtzt, es entstanden Werke, die sich in Deutschland mit Namen wie Siemens, Krupp, Thyssen, Opel, Bosch usw. verbinden. Die Entstehung, Entwicklung und innere GesetzmĂ€ĂŸigkeit ist von Karl Marx in seinen ökonomischen Schriften hervorragend beschrieben worden.

Diese Phase kapitalistischer Entwicklung war schon einige Jahrzehnte beendet, als Lenin im Jahre 1916 seine Schrift „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ verfasste. darin legte er prĂ€zise dar, was schon Marx vorausgesehen hatte: den Gang der Kapitalkonzentration in den IndustrielĂ€ndern, der im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts allmĂ€hlich begann, an die Stelle des Konkurrenzkapitalismus zu treten; verursacht durch die von Marx in seinem Werk „Das Kapital“ beschriebenen Konzentrationstendenzen der Wirtschaft unter den Bedingungen der freien Konkurrenz. Konzentration der ProduktivkrĂ€fte durch ruinösen Wettbewerb und die Bildung von Kartellen, Trusts und Monopolen, die immer stĂ€rkere Verflechtung von Bankkapital und Industriekapital und die völlige Indienststellung der nationalen Staatsapparate fĂŒr die jeweilige Kapitalistenklasse kennzeichneten das imperialistische Stadium des Kapitalismus. War der Konkurrenzkapitalismus noch gekennzeichnet durch den Export von Waren, so war der Imperialismus gekennzeichnet durch den Export von Kapital: in so genannten „rĂŒckstĂ€ndigen“ LĂ€ndern (die Verwendung des Begriffes bei Lenin zeigt die eurozentrische BeschrĂ€nktheit marxistischer Denkkategorien auf lineares Fortschrittsdenken) wurde investiert, Löhne, Boden und Rohstoffe waren hier billig, neue MĂ€rkte konnten vor Ort erschlossen werden.

Die imperialistischen Staaten, wozu in erster Linie England, Frankreich, Deutschland und die USA gehörten, sicherten diese Interessen durch militĂ€rische Aggression („Kanonenbootpolitik“) und die koloniale Inbesitznahme ganzer Erdteile ab. In diese Zeit fĂ€llt z. B. die Ausdehnung der britischen und französischen Kolonialreiche auf weite Gebiete Nord- und Innerafrikas, die Kolonialisierung von Teilen Afrikas und Ozeaniens durch das Deutsche Reich und die Zerschmetterung der drittklassig gewordenen Alt-Kolonialmacht Spanien durch die USA, verbunden mit der Schaffung von US-Kolonien auf ehemals spanischem Kolonialboden (Philippinen, Puerto Rico usw.). Interessenkonflikte der nationalen Imperialismen und der sie jeweils tragenden nationalen Kapitalgruppen fĂŒhrten dann zum Ersten Weltkrieg, einem durch und durch imperialistischen Krieg, dessen Schuld keinesfalls bei einem einzelnen Volk (z. B. dem deutschen), sondern bei den Interessen der konfligierenden einzelstaatlichen Kapitale zu suchen ist. Man kann die Zeit von 1914 bis 1945 als Umbruchzeit, als Phase des Überganges in die nĂ€chsthöhere Stufe des Kapitalismus ansehen. Denn Lenin irrte, als er den von Einzelstaaten reprĂ€sentierten Imperialismus seiner Zeit bereits als das höchste und letzte Stadium des Kapitalismus ansah und diesen als in FĂ€ulnis befindlich charakterisierte. Die MenschenmĂŒhle wurde noch brutaler ĂŒber StĂ€mme, Völker und Nationen gefahren, dem Moloch kapitalistischer Industrieentwicklung wurde noch mehr an Natur und Rohstoffen, an Menschen und Material, an Arbeitern und Bauern geopfert. Die revolutionĂ€re sozialistische Endzeit-Hoffnung Lenins und der Bolschewiki erwies sich als falsch, und im Gegensatz zu den NationalrevolutionĂ€ren der Weimarer Zeit (Niekisch, Paetel, Scheringer usw.) wissen wir heute, dass auch das sowjetische Modell im großen und ganzen als gescheitert angesehen werden muss: erwies es sich doch als Spiegelbild des westlichen Kapitalismus und Industrialismus, nur eben ohne dessen Libertinage!

Ende des Zweiten Weltkrieges waren die USA die vorherrschende Macht im imperialistischen Lager geworden, die ehemaligen europĂ€ischen Konkurrenten hatten sich gegenseitig zerfleischt. Aber noch war das europĂ€ische Kapital da, steckte in den Kolonien, in unversehrt gebliebenen Produktionsanlagen, LagerbestĂ€nden und Immobilien, in den Geldvermögen, die in neutralen LĂ€ndern angelegt waren. So kam es, dass die USA zwar die politische und militĂ€rische FĂŒhrung der westlichen Welt ĂŒbernahmen, gewiss auch die wirtschaftlich potenteste Macht waren, die US-Kapitalisten aber das europĂ€ische Kapital nicht ohne weiteres aufsaugen, sich einverleiben konnten. Vielmehr deutete sich nach einer Phase verstĂ€rkten amerikanischen Kapitalexports nach Europa eine Phase der zunehmenden Wechselseitigkeit des Kapitalexports, der GrĂŒndung gemeinsamer Tochtergesellschaften (nicht nur in der 3. Welt) und der Verschmelzung der grĂ¶ĂŸten Bank- und Industriekonzerne in aller Welt ĂŒber ein tausendfĂ€ltiges Netz von Beteiligungen und Kooperationen an. Die nach Konkurrenzkapitalismus und Imperialismus dritte Stufe des kapitalistischen Systems war erreicht, der multinationale Imperialismus!

One World der toten Seelen

Dieser neuartige Imperialismus schuf multinationale Instrumentarien, um seine AktivitÀten zu koordinieren und die Völker der Welt vollstÀndig in den Griff zu bekommen. Zu diesen Instrumentarien gehören u.a.:

1. die NATO und befreundete, mit ihr verflochtene Pakte wie SEATO, ANZUS usw. als militÀrische Instrumente der Herrschaftssicherung,

2. die Weltbank und der berĂŒchtigte „Internationale WĂ€hrungsfonds“ (IWF) als zentrale weltwirtschaftliche Steuerungshebel, die ĂŒber ihre Kreditvergabepolitik und alle möglichen Finanzmanipulationen fast alle LĂ€nder der Welt in AbhĂ€ngigkeit gebracht haben,

3. ZusammenschlĂŒsse wie die „Trilaterale Kommission“ und die „Bilderberger-Konferenz“ als Absprachegremien wichtiger Staats-, Wirtschafts- und GewerkschaftsfĂŒhrer, Medienvertreter usw. aus den westlichen Industriestaaten, ungeachtet aller zwischen ihnen scheinbar bestehenden religiösen und parteipolitischen Differenzen.

Es taucht die Frage nach der Rolle der Sowjetunion und der ĂŒbrigen OstblocklĂ€nder in diesem KrĂ€ftespiel auf. Die bei nĂ€herem Hinsehen einzige mögliche Antwort ist erschreckend: der gesamte Ostblock ist schon sehr weit in die neue imperialistische Weltordnung integriert!

Seine ErnĂ€hrung ist von Fleisch- und Weizenimporten der westlichen LĂ€nder abhĂ€ngig, zahlreiche OstblocklĂ€nder sind bis an den Rand der ZahlungsunfĂ€higkeit bei westlichen Banken verschuldet, LĂ€nder wie Ungarn und Polen gehören seit 1981 dem IWF an und mĂŒssen sich dessen Bedingungen diktieren lassen, westliche Multis unterhalten Zweigwerke in OstblocklĂ€ndern und können sich den Sklavenstatus der dortigen Arbeiter fĂŒr billige Produktion zunutze machen usw.

Differenzen zwischen Russen und Amerikanern und zwischen Amerikanern und EuropĂ€ern (z. B. Erdgas-Röhren-GeschĂ€ft) sind untergeordneter Natur. Sie rĂŒhren zum einen von der noch nicht vollstĂ€ndig vollzogenen „Integration“ her, zum anderen haben sie (vor allem zwischen USA und UdSSR) den Zweck, durch den Aufbau von Feindbildern in Gestalt des jeweils anderen Lagers die eigenen Untergebenen besser in Schach und bei der Stange halten zu können. Dies schließt regional begrenzte Vernichtungskriege (perspektivisch auch in Europa) zwecks Bereinigung der Landkarte von politischen „Unebenheiten“ nicht aus!

Das Ziel, die von undurchschaubaren multinationalen Gremien gesteuerte „One World“, ist greifbar nahe! Sie ist nicht Ergebnis einer ominösen „Weltverschwörung“, sondern resultiert aus der Entwicklungslogik des Kapitals (die von der alten Rechten nie verstanden wurde, weshalb sie zu Verschwörungsmystifikationen Zuflucht nehmen musste, um einfache VorgĂ€nge zu erklĂ€ren). Die Kapitalverflechtung schreitet Tag fĂŒr Tag weiter voran, ebenso die AbhĂ€ngigkeit der Völker von den Entscheidungen des IWF und der großen Bankzentralen. Das Kapitalverwertungsinteresse schreit um des höheren Profites willen geradezu nach weltweit normierten ProduktionsvorgĂ€ngen, Konsumverhalten, Lebensweisen; nach weltweiter psychischer Kalkulierbarkeit und damit nach dem Verschwinden aller mentalen und kulturellen Differenzierungen.

Diese „schöne neue Welt“ der Multinationalen wird eine Welt ohne kulturelle Verschiedenartigkeit, ohne nationale SouverĂ€nitĂ€t und regionale Autonomie, ohne demokratische Willensbildung, ohne Rechte der Arbeiter sein. Sie wird bis in die letzte Ecke verplant und durchstrukturiert sein, damit Ernst JĂŒngers entsetzliche Horrorvision der „planetarischen Planlandschaften“ realisierend. Sie wird den Menschen auf die Funktionen von Produktion und Konsum reduzieren, sie wird keinen Raum mehr fĂŒr IndividualitĂ€t, KreativitĂ€t außerhalb der weltumspannenden Kulturindustrie und Selbstbestimmung der Menschen und Völker lassen. Ihr oberstes Prinzip wird die RationalitĂ€t des kapitalistischen Profits sein. Ihre Ideologien sind - heute schon - der liberale Kosmopolitismus, das Fortschrittsdenken und die Vergötzung von Industrie und Technik. Ihr Erzfeind ist der NATIONALISMUS!

Nationalistischer Antikapitalismus

Denn Nationalismus kann heute nur noch antikapitalistisch sein. War der Nationalismus des 19. Jahrhunderts noch ein wichtiges Instrument des aufkommenden BĂŒrgertums, um seine Emanzipation gegen den Feudaladel durchzusetzen und die Einheit der Nation (Deutschland, Italien) bzw. deren Lostrennung von supranationalen Feudalstaaten zu erreichen; war der Nationalismus in der nĂ€chsten Phase, der des alten Imperialismus, noch willkommenes Vehikel der Massenmobilisierung fĂŒr die Außenexpansion - heute, wo das Kapital sich anschickt, die letzten nationalen Fesseln abzustreifen und seine Einheitswelt zu errichten, ist Nationalismus der tiefgehendste Antikapitalismus.

Der Marxismus hat lĂ€ngst versagt, denn sein Ziel ist letztlich das gleiche wie das des liberalen Kapitalismus: die Weltregierung, das Verschwinden der Völker und Kulturen und der immerwĂ€hrende Fortschritt industrieller Produktion. Elemente der marxistischen Lehre sind heute ohne weiteres in die Herrschaftsideologie der kapitalistischen One-World-Strategen einzubauen. Nationalismus: das heißt, in der Verschiedenartigkeit, der Vielfalt der Nationen und ihrer Kulturen einen Wert sehen. Nationalismus heißt nicht mehr, das eigene Volk und allein seinen Bestand an die erste Stelle zu setzen, sondern fĂŒr den Erhalt aller Völker gegen den wirtschaftlichen und kulturellen Multi-Imperialismus kĂ€mpfen. Nur souverĂ€ne Nationen bieten ihrer Volkskultur (auch in ihrer regionalen Differenzierung) den Schutz und ihren Angehörigen die Identifikationsmöglichkeit, die zur Abwehr imperialistischer Vereinnahmung notwendig sind.

Klassenkampf als nationalrevolutionÀre Aufgabe

Wenn Nationalismus antikapitalistisch ist, muss er sich endgĂŒltig aus der reaktionĂ€ren Vergangenheit der politischen Rechten lösen. Das heißt vor allem, endgĂŒltig allen Ideen von der „Volksgemeinschaft“ und der „nationalen SolidaritĂ€t“ unter den Bedingungen des kapitalistischen Systems eine entschiedene Absage zu erteilen. Denn die Völker sind gespalten in AnhĂ€nger und Handlanger des Imperialismus und seiner Ideologien und in diejenigen, die unter dem Imperialismus leiden, ihn zum Teil bekĂ€mpfen. Diese Spaltung ist von ihren objektiven Ursachen her eine Spaltung in gesellschaftliche Klassen, da die Basis des Imperialismus klassenmĂ€ĂŸig, nĂ€mlich durch die Kapitalistenklasse, aus deren Schoß er kroch, bestimmt ist.

Klassenkampf ist daher kein „marxistisches Spaltungsinstrument“ gegenĂŒber dem Volk, sondern existiert objektiv und tagtĂ€glich spĂŒrbar in den Auseinandersetzungen, die die verschiedenen gesellschaftlichen Klassen fĂŒhren. Ihn auch subjektiv bewusst zu machen, ihn zu verschĂ€rfen und auf Entscheidungen hin zu orientieren, ist heute mehr denn je Aufgabe wahrhaft nationalistischer, das heißt nationalrevolutionĂ€rer Politik.

Nutznießer des imperialistischen Systems sind in jedem Land die direkten Vertreter der Multis, die Direktoren, AufsichtsrĂ€te und Manager der jeweiligen Banken und Konzerne, aber auch ihre Handlanger in Parteien, Gewerkschaften, Medien und Kulturbetrieb. Die Betrogenen - das sind die breiten Schichten des Volkes, die mit „Brot und Spielen“ betĂ€ubt, ihrer IdentitĂ€t beraubt und kulturell versklavt, ökonomisch ausgebeutet und politisch entmĂŒndigt werden. Es gilt, die Betrogenen zum Kampf gegen die Multi-Strategien zu gewinnen. Dabei kann man anknĂŒpfen an die objektiv vorhandenen und in den letzten Jahren immer deutlicher hervortretenden ökonomischen WidersprĂŒche.

Die ökonomischen WidersprĂŒche insbesondere der Arbeiterklasse gegenĂŒber den Kapitalisten hat Karl Marx in ausgezeichneter Weise herausgearbeitet: die Arbeiter produzieren Mehrwert, den sich die Kapitalisten aneignen. Den Produzenten werden somit die FrĂŒchte ihrer Produktion entzogen. Sie sind im kapitalistischen Produktionsprozess darĂŒber hinaus stĂ€ndig ZwĂ€ngen der Profitmaximierung fĂŒr den Kapitalisten ausgesetzt, mit allen hieraus resultierenden Folgen: Rationalisierung, Arbeitshetze, UnfĂ€lle, Auslaugen der persönlichen KrĂ€fte. In Krisenzeiten nehmen die Kapitalisten und ihr Staat frĂŒhere soziale ZugestĂ€ndnisse zurĂŒck, Armut und Verelendung sind die Folgen. Aus diesen WidersprĂŒchen erwĂ€chst ein antikapitalistisches Konfliktpotenzial, das sich im tĂ€glichen Kleinkrieg im Betrieb, aber auch in Massenaktionen der Arbeiter, Angestellten usw. auf der Straße zeigen kann. Hier kann und muss nationalrevolutionĂ€rer Kampf anknĂŒpfen.

Der Imperialismus beruht auf einem System fortwĂ€hrender industrieller Produktion, Mehrwertschöpfung, Reinvestition, gesteigerter Produktion usw. TrĂ€ger der Produktion sind die Arbeiter, ohne deren Arbeit das System nicht existieren könnte. Kein Krieg kann auf der Welt gefĂŒhrt werden ohne Waffen, die der Arbeiter herstellt. Kein Schiff, kein Flugzeug, kein Auto steht zur VerfĂŒgung, kein Strom fließt durch die Leitung ohne die Kraft des Arbeiters. Somit hat der Arbeiter die Waffe in der Hand, dem Imperialismus den Boden unter den FĂŒĂŸen wegzuziehen und damit sich selbst wie auch die Nation zu befreien. Die VerschĂ€rfung der WidersprĂŒche zwischen Ausgebeuteten und Ausbeutern, die damit einhergehende Hebung des Klassenkampfes auf ein höheres Niveau kann dazu fĂŒhren, dass die Arbeiterklasse in dem einen oder anderen Land die Arbeit verweigert und damit die Grundlage des Systems angreift. Politischer Streik, Generalstreik, Betriebsbesetzung gehören damit zu den wichtigsten Instrumenten des Klassenkampfes, der in den nationalen Befreiungskampf einmĂŒnden muss.

Das politisch-strategische Bewusstsein ĂŒber die ZusammenhĂ€nge von persönlichem Leid und imperialistischem Weltsystem entsteht heute eben so wenig spontan wie vor 80 Jahren, als Lenin in seiner Schrift „Was tun?“ auf die Notwendigkeit der Verbindung hinwies, die spontane (ökonomische) Arbeiterbewegung und revolutionĂ€re Theorie eingehen mĂŒssen. Der Hebel zur Schaffung dieser Verbindung ist die revolutionĂ€re Organisation, deren GrĂŒndung sich den deutschen NationalrevolutionĂ€ren als immer dringlichere Aufgabe stellt. Es sind die Arbeiter und die anderen einfachen Schichten des Volkes, die ein Interesse daran haben, sich dieses System vom Hals zu schaffen, was soziale Befreiung vom kapitalistischen Wirtschaftssystem und damit Befreiung vom imperialistischen Weltsystem bedeutet. Das BĂŒrgertum dagegen ist heute antinational (und das heißt meist: liberal) bis auf die Knochen, denn all das, was es nach einer sozialistischen Arbeiterrevolution zu verlieren hat, hat es von diesem und durch dieses System des Multi-Imperialismus. Dies gilt auch fĂŒr die vielzitierten „kleinen“, „mittleren“ und „antimonopolistischen“ Kapitalisten, auch wenn ihre Tage gezĂ€hlt sind (Pleitewelle). BezĂŒglich ihrer EinschĂ€tzung weisen die Aussagen gewisser pseudo-nationalrevolutionĂ€rer Versöhnlergruppen und die Aussagen der moskauorientierten DKP bemerkenswerte Parallelen auf. Doch ĂŒbersehen wird: auch diese Kapitalisten profitieren bis zuletzt von dem herrschenden System, das ihnen Privateigentum an Produktionsmitteln, Absicherung der Ausbeutung und auch nach der Betriebsaufgabe meist noch ein annehmbares Auskommen sichert. Sie sind BĂŒndnispartner des Systems und nicht des Volkes, um des Profites willen wĂ€ren sie allemal bereit, die Nation zehnmal zu verraten. Man kann eben nicht beidem dienen: dem Geldsack und der Nation, Individuelles Gewinnstreben als liberalistisches Verhalten und Dienst an der Nation als sozialistisches Verhalten (das erste von individuellen, das zweite von Kollektivinteressen geprĂ€gt) schließen sich aus.

Zusammenfassung

Das Kapital hat sich heute international organisiert und bemĂŒht sich, die Durchdringung und Vereinheitlichung der Welt zu vollenden. Der Kampf um die Bewahrung der Völker und Kulturen als nationalrevolutionĂ€re Aufgabe muss sich daher gegen das internationale Kapital richten. Er wird somit zum antikapitalistischen Kampf, zum Klassenkampf.

Die NationalrevolutionĂ€re mĂŒssen die objektiv vorhandenen WidersprĂŒche der Arbeiter zum kapitalistischen System erkennen und aufgreifen und die ungeheure Kraft der Arbeiterklasse zum nationalen Befreiungskampf mobilisieren. Sie mĂŒssen den Arbeitern bewusst machen, dass die soziale Befreiung ohne die nationale Befreiung nicht verwirklicht werden kann, deren Aufgabe es ist, dem Weltkapitalismus Land um Land zu entreißen. Die Zuspitzung der KlassenkĂ€mpfe zu Ă€ußerster SchĂ€rfe richtet sich keineswegs gegen die Interessen der Nation, sondern dient ihnen. Wenn das Kapital heute international und seine Ideologie internationalistisch ist, so muss die Arbeiterklasse als der Widerpart des Kapitals nationalistisch (im Sinne antiimperialistischer SolidaritĂ€t der um Befreiung ringenden Völker) sein. Und umgekehrt: Klassenkampf der Arbeiter gegen das Kapital richtet sich gegen eine international verflochtene Macht und nutzt damit der Befreiung der Nation von dieser Macht!

KEINE NATIONALE BEFREIUNG OHNE BEFREIUNG DER ARBEITERKLASSE!

KEIN SOZIALISMUS OHNE BEFREIUNG DER NATION UND WIEDEREROBERUNG DER NATIONALEN IDENTITÄT!

VÖLKER DER WELT, VEREINIGT EUCH IM KAMPF GEGEN DAS MULTINATIONALE KAPITAL - NATIONALE BEFREIUNG ÜBERALL!

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